Warum überhaupt Tragen?

Weil es ein Grundbedürfnis unserer Babys ist!

Dass unsere Babys in die Kategorie der Säuglinge gehören und somit das Stillen und Saugen ein Grundbedürfnis ist, wird heut kaum einer abstreiten.
Aber wie sieht es mit dem Tragen aus?

Vielleicht hast du schon mal davon gehört, dass der Mensch ein »Tragling« ist. Aber was bedeutet das und wie kommt man darauf?

Was heißt »Tragling«?

Die Säugetiere werden weiterhin nach ihren Jungtieren unerteilt.
Den Begriff Nesthocker und Nestflüchter hat sicherlich Jeder schon einmal gehört.

Unsere Babys gehören jedoch zu den Traglingen!
Dieser Jungentypus ist aber nicht etwa eine Erfindung der letzten Jahre, sondern wurde von einem Biologen bereits 1970 eingeführt.

Hier eine kleine Gegenüberstellung der Jungentypen:

Nestflüchter
  • Augen und Gehörgänge sind offen
  • selbständig, können schon kurze Zeit nach der Geburt laufen
  • bleiben immer in der Nähe der Mutter z. B. Kalb, Fohlen
→ Jungen schreien, wenn die Mutter nicht da ist
Nesthocker
  • Augen und Gehörgange sind geschlossen
  • nackt, hilflos
  • bleiben immer in ihrem Nest, auch stundenlang z. B. Hund, Katze

→ Jungen schreien, wenn die Mutter nicht da ist

Tragling
  • Augen und Gehörgänge sind offen
  • hilflos
  • brauchen den Körperkontak zum Tragenden z. B. Affe, Mensch, (Känguru)
→ Jungen schreien, wenn sie keinen Kontakt mehr zur Mutter haben

Traglinge sind genauso hilflos wie Nesthocker, jedoch sind sie absolut auf Betreuung und körperliche Nähe angewiesen und können nicht allein zurückgelassen werden!

Sie sind anatomisch speziell an das Tragen angepasst, bzw. daran, sich an dem Tragenden gut festzuklammern.
Erst mit wachsender Muskelkraft lösen sich die Jungen vom Muttertier und werden selbständiger.

Und warum ist nun der Mensch ein Tragling?

Unsere Babys haben eine Vielzahl angeborener Reflexe.

Schauen wir uns einige davon doch mal genauer an:

  • Weder Nestflüchter noch Nesthocker haben diese Reflexe – nur der Tragling hat sie noch!

Auch der Körperbau des Neugeborenen ist an das Tragen angepasst.

Die Füße sind nach innen gerichtet, das Baby könnte bequem mit den Füßen klatschen.

Die Schienbeine sind leicht gekrümmt, es hat O-Beine.
Aber nicht, weil es im Bauch der Mutter zu eng ist, wie oft gemutmaßt wurde (Fohlen und Kälber haben auch gerade Beine bei der Geburt und haben sicherlich nicht mehr Platz im Bauch der Mutter), sondern sie helfen dem Kind, sich am Tragenden fest zu klammern.

Der Rücken ist bei der Geburt komplett gerundet.
Man nennt dies Totalkyphose, d.h. die Krümmungen, die unserer Wirbelsäule die typische doppelte S-Form geben, sind noch nicht vorhanden.
Die erste Streckung, die Hals-Lordose, geschieht mit dem Heben des Köpfchens.
Wenn das Baby dann allein und selbständig sitzen kann, erfolgt die 2. Krümmung, sie wird Brust-Kyphose genannt.
Meist nach dem 1. Geburtstag erfolgt dann die dritte Streckung der Wirbelsäule, die Lenden-Lordose. Nämlich dann, wenn das Kind selbständig anfängt zu Laufen.

Die Hüfte ist zum Zeitpunkt der Geburt noch nicht vollständig ausgereift und auch Wirbelsäule und Becken haben eine andere Stellung zueinander als bei uns Erwachsenen.
Auf Grund dieser anderen Beckenstellung ergibt sich eine andere Stellung der Hüftgelenke. Sie sind beim Säugling nach vorn orientiert.
Er kann, anders als ein Erwachsener, seine Beinchen nicht nach hinten über die Körpermitte hinaus strecken!

Merke!

Das Baby ist daher anatomisch nicht zum Liegen ausgelegt, sondern zum Tragen!